Januar – 12 Monate-1 Stadt-2012 – Thema Rathaus

Januar - 12 Monate-1 Stadt-2012 - Thema Rathaus

Das Ulmer Rathaus zählt nicht zuletzt wegen seiner Fresken und einer astronomischen Uhr zu den herausragenden Baudenkmälern der Stadt Ulm. Seine komplexe Baugeschichte – es besteht aus drei verschiedenen Bauteilen – begann im 14. Jahrhundert, sein jetziges Aussehen geht auf die Frührenaissance zurück.

Neues Kaufhaus

1370 wurde als Erweiterung der heutige Ostflügel des Ulmer Rathauses – damals auch als „neues Kaufhaus“ bezeichnet – angefügt. In seinem Erdgeschoss befand sich eine 8 m hohe Verkaufshalle der Metzger. Ein zugehöriges Spitzbogentor an der Südseite ist bis heute vorhanden. 1383 wird das Gebäude auch als „Gerichtshaus“ bezeichnet, da es mittlerweile im Erdgeschoss eine nach Norden offene Laube besaß, wo das Niedergericht öffentlich tagte.

Spätestens ab 1395 verfügte auch der Ulmer Rat über eine Ratsstube in dem Gebäude, das 1419 nunmehr „Rathaus“ genannt wird. Um diese Zeit wurde über der dreischiffigen Kaufhalle ein großer Ratssaal eingezogen und die südöstliche Front des Gebäudes im 1. Stock nach 1420 mit 5 großen, spätgotischen Prunkfenstern versehen. Die zwei Fenster der Ostseite erhielten eineKielbogenrahmung, die drei Südfenster Wimpergaufbauten. Zusätzlich wurden an den Fenstern steinerne Figuren angebracht. Während die Skulpturen der sechs Kurfürsten der Rathaussüdfenster vonMeister Hartmann stammen, sind die Plastiken am Ostfenster Werke von Hans Multscher. Die Figur des Kaisers (dargestellt ist Karl der Große, da zwischen 1420 und 1433 kein deutscher Kaiser existierte) wird von zwei Schildknappen und den Königen von Böhmen und Ungarn flankiert (beide Kronen hatte damals König Sigismund inne, der 1433 auch zum deutschen Kaiser gekrönt wurde). Die Originale der heutigen Kopien am Rathaus befinden sich im Ulmer Museum.

An der Ostseite befindet sich außerdem eine Verkündigungskanzel, von der der Kaiser oder dessen Vertreter Huldigungen entgegennahmen, aber auch Todesurteile verlesen wurden. Sie muss bereits 1473 vorhanden gewesen sein, wurde jedoch 1539 und 1604 ergänzt und umgestaltet.

Roth’sches Haus

Bereits beim Bau des (neuen) Kaufhauses war im Westen des Komplexes ein älteres Fachwerkhaus („Roth’sches Haus“) angekauft worden. Dieses wurde um 1480 neu errichtet und dem Hauptbaukörper angepasst. Um 1900 wurde dieser Teil komplett abgebrochen und ersetzt.

Neugestaltung im 16. Jahrhundert

Im 4. Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts erfolgten umfangreiche Umbauten, in deren Zuge der Nordflügel (also das ursprüngliche Gewand- oder Kaufhaus) abgerissen und der nördliche Querbau (mit Säulenarkaden) durch den Baumeister Hans Michel vollständig erneuert wurde. Vom ursprünglichen Nordbau (Gewandhaus) blieben nur die Kellergewölbe erhalten, die noch über längere Zeit als Gefängnis genutzt wurden. Der Ostflügel erhielt seine heutige Gestalt mit filigranen Säulen und Gebälken aus Terrakotta, auch das bereits vorhandene Erkertürmchen an der Südostecke wurde verändert.

1540 wurde die Martin Schaffner zugeschriebene Fassadenbemalung der Nord- und Ostseite abgeschlossen. Sie gilt als größter Freskenzyklus des 16. Jahrhunderts in Deutschland. Die Ostfassade behandelt Themen wie Göttliche Weisheit, Selbsterkenntnis und Gerechtigkeit vorwiegend anhand biblischer Beispiele. An der Nordfassade finden sich hingegen Themen der römischen und griechischen Sagenwelt wie Kriegs-Ehrbarkeit, männliche Kühnheit oder Gehorsam. Schaffner griff dabei auf Bildvorlagen – vor allem Holzschnitte für Buchillustrationen – zurück, die von Augsburger Renaissance-Künstlern stammten (u.a. Hans Schäufelin). 1576 bis 1578 muss eine weitere Umgestaltung des Altbaues erfolgt sein.

Renovierung um 1900

1898 bis 1905 wurde das mittlerweile teils verfallene Ulmer Rathaus eingehend renoviert und teilweise umgestaltet, obwohl sich zahlreiche Stimmen für eine Aufgabe des Gebäudes und einen Neubau an anderer Stelle ausgesprochen hatten. Das Roth’sche Haus wurde abgetragen und durch einen besser in die Gesamtanlage integrierten Neubau ersetzt. 1903 erhielt dieser Gebäudeteil im Nordwesten zusätzlich eine Freitreppe. Die inzwischen stark verblasste Fassadenbemalung wurde restauriert bzw. nach alten Vorlagen rekonstruiert, die zwischenzeitig abgebrochene Verkündigungskanzel wiederhergestellt, ebenso die astronomische Uhr instandgesetzt.

Die ursprüngliche Bemalung der Südfassade ist nicht erhalten und wurde 1905 neu gestaltet. Im Südgiebel ist eine Ulmer Schachtel abgebildet, darüber die Wappen der Städte und Länder, mit denen Ulm in Handelsbeziehung stand. Im unteren Bereich ist die Heimkehr der siegreichen Ulmer über den Belagerer Kaiser Karl IV. im Jahr 1376 dargestellt.

Ab dem Zweiten Weltkrieg

Bei einem schweren Luftangriff auf Ulm am 17. Dezember 1944 wurde das Innere des Ulmer Rathauses größtenteils zerstört. Die äußere Form sowie die Wandgemälde blieben jedoch, wie auch die gewölbten Räume der unteren Geschosse, weitgehend intakt. Eine früher ausgebaute Saaltüre von Jörg Syrlin d. J. von 1509 blieb erhalten (sie befindet sich heute im Ulmer Museum). Nach dem Krieg wurden die Gebäudeteile zunächst mit Notdächern versehen. Ab 1951 konnten die wichtigsten städtischen Ämter und der Oberbürgermeister wieder in das Rathaus einziehen. Ende der 1950er-Jahre sowie 1973 wurden die Fresken am Ulmer Rathaus ausgebessert.

1987 bis 1989 erfolgte ein weiterer tiefgreifender Umbau des Rathausinneren. Unter anderem wurde – in Ergänzung des (nunmehr kleinen) Ratssaales im Südosten – ein zweiter, großer Ratssaal im Nordflügel eingebaut.

 

Quellenangabe:

Der Text und die Beschreibung vom Ulmer Rathaus ist aus dem deutschen Wikipedia unter Verwendung der GNU Public Lizenz Verwendung entnommen. Alle Autoren sind auf folgender Seite gelistet: http://de.wikipedia.org/wiki/Rathaus_(Ulm). An dieser Stelle auch ein Dank an die fleissigen Autoren im Wikipedia.

 

Hier noch ein Link zur Ulmer Rathaus Uhr. Es ist eine astronomische Uhr und man kann jede Menge ablesen wenn man weiss wie.

http://www.j-re.de/blog/?p=630

(Es ist auch ein weiterführender Link auf der Seite wo die Uhr genau beschrieben ist. Dort ist auch Dokument enthalten welches alle Elemente der Uhr beschreibt.  Man kann es sich herunterladen ausdrucken und mitnehmen wenn man sich die Uhr anschaut.)

 

15 comments

  1. Pingback: Fotoprojekt “12 Monate-1 Stadt-2012 « JRE – The World of Nothing and More

  2. Das ist ein absolut einzigartiges Gebäude. Da gibt es ja kein Fleckchen, das nicht mit Freskenmalerei versehen ist. Wunderschön – da würden mich auch mal Detailansichten interessieren.

    Liebe Grüße
    Jutta

  3. @Jutta,
    ja das ist schon ein tolles Gebäude. Es ist in der neuen Mitte in Ulm. Mittlerweile ist schon seit Jahren im untereren Bereich ein Restaurant drin. Der Rest wird noch genutzt. Das Standesamt ist auch darin untergebracht. Die „Uhr“ habe ich noch im Detail abgelichtet. Ich werde Sie die Tage hier mal hereinstellen. weitere Detail Fotos hab ich nicht gemacht, das dass Wetter nicht so gut war und es begonnen hat zu regnen.
    Grüßle Jan

  4. Ich sollte mich auch mal mit HDR beschäftigen. Das Bild sieht echt genial aus! Da freue ich mich schon auf die Bilder in den kommenden Monaten! 😉

  5. Wau … Ihr habt aber wunderschöne Rathaus . Vor allem die Fresken Wand sieht Fantastisch aus . Hast Du vieleict Nah Aufnahmen davon gemacht?

  6. @Andy:
    Ja HDR ist ne feine Sache. Aber man kann alle Themen bis ins Detail und unendliche lernen 🙂 Es gibt viele die sagen HDR muss so angewendet werden, dass das Bild naturgetreu bleibt, andere wiederum wollen halt eben den surrealistischen Effekt. Naturgetreu bearbeiten ist dabei recht schwierig. Oftmals abhängig vom Bildmaterial. Aber es lohnt sich. Ich nutzte momentan für HDR Photomatix Pro 4.0

  7. @czoczo:
    Ich hab gestern nur Fotos vom Rathaus insgesamt gemacht. Ich hab die Uhr noch in Großaufnahme. Die werde ich nacher einmal einstellen. Die Fresken werde ich aber gerne noch einmal nachreichen und bescheid sagen. Das Wetter war gestern einfach zu schlecht 🙂

  8. Hallo Jan,
    ich habe zweimal versucht, einen Kommentar auf Deiner Seite zu hinterlassen. Leider habe ich jedes Mal vergeblich geschrieben. Der Fehlermeldung entnehme ich, dass etwas mit dem Code nicht okay ist, es fehlte auch der Absendebutton auf der Webseite.

    Jetzt schreibe ich es halt so:

    Es grenzt schon an ein Wunder, dass damals „nur“ das Innere dieses historischen Hauses zerstört wurde. Bei solchen Gebäuden ist etwas Hintergrundinfo immer sehr interessant uns lesenswert. Danke dafür. J

    Deine Perspektive ist punktgenau gewählt, nur bei der roten, modernen Plastik rechts vorne musstest Du einen großzügigen Kompromiss eingehen. Aufgefallen ist mir auch oben im Hintergrund eine gläserne Spitze. Vermutlich von einem Ulmer Wolkenkratzer?

    Trotz meines Misserfolges beim Kommentieren werde ich Dich jetzt „öffentlich verfolgen“, denn Deine Fotos sind wirklich sehenswert!

    Liebe Grüße
    moni

  9. Hallo Moni,
    …der Kommentar wird nicht geklappt haben, da ich gerade am System gearbeitet habe. Also ich hab versucht ein paar Erweiterungen zu installieren, daher wird es wohl nicht geklappt haben. Vielen Dank das du dir die Mühe gemacht hast und ne mail geschrieben hast. Ich kopier deinen Kommentar nacher mal rein, so dass ihn jeder lesen kann. Ich mag konstruktive Kritik.

    Du siehst die Spitze… hast genau hingeschaut. Die Spitze gehört allerdings tatsächlich zum Rathaus. Nur aufgrund der Größenverhältnisse und der Persketive habe ich einen Auschnitt gewählt. So sieht man das Rathaus besser und die Spitze wirkt als ob sie nicht dazu gehört. Das war mein Ziel 🙂

    Sodele… wünsch dir was…
    Grüßle Jan Rechenberg

  10. Ich freuhe mich jetzt schon auf die Fresken 🙂
    Irgend wan muss ich Ulm besuchen . Schon alleine der Rathaus ist die Fahrt wert 😉

  11. Ui, das ist aber ein tolles Gebäude!
    Und natürlich ein klasse Foto! Ich muss mich auch mal mit HDR beschäftigen, bisher habe ich mich da noch nicht rangetraut.
    Wirkt aber wirklich spitze…
    Viele Grüße
    Anke

  12. Wow – so ein Schmuckstück.

    Wie schön, dass du so viel Interessantes über dieses Rathaus geschrieben hast. Das werde ich mir jetzt mal durchlesen.

    LG Heidi

  13. Hallo Heidi,
    leider hab ich nicht die Zeit gehabt es alles selber zu schreiben. Es waren ein paar fleissige Schreiberlinge im Wikipedia, aber ich fand es interessant es selbst zu lesen und ein dies auch zum Rathaus zu verwenden.
    Grüßle

Schreibe einen Kommentar

Required fields are marked *.